Mit Wortwitz und
Theater auf den Spuren von Charlotte Buff
22.08.2004
Von Sabine Glinke Tel.: (0 64 41) 95 96 97 E-Mail:
lokalredaktion.wnz@mail.mittelhessen.de
"Iss es Dibbche noch so schebb, es basst e
Deckelche druff !" Dies ist nur einer der kessen Sprüche auf
Hessisch, den Heinrich Adam Buff (gespielt von Hermann Eucker),
Vater von Charlotte Buff - Goethes und "Werthers" Lotte - bei der
diesjährigen "Erlebnis STATT Führung" in Wetzlar zum Besten gibt.
Das Motto dabei lautet "Ein wünschenswertes Frauenzimmer - Goethes
Lotte in Wetzlar". Bei der Premiere am Freitag wurden die
Geschichten der erwähnten Figuren an historischen Plätzen "lebendig"
- eine gelungene Theaterinszenierung der besonderen Art.
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Theater macht Wetzlarer Stadtführung
lebendig (von links): Die 14-jährige Lotte (gespielt von
Carolin Kling), Mutter Magdalena (Claudia Bäulke), die
17-jährige Karoline (Antje Reinhardt) und Lottes Vater
Heinrich Buff (Hermann Eucker) lesen den Brief von Kestner, in
welchem er um Lottes Hand anhält. (Foto: Glinke) |
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Wetzlar. Bereits im zweiten
Jahr finden die "Erlebnis STATT Führungen" in Wetzlar statt. Begrüßt
werden die maximal 50 Teilnehmer pro Führung von den
Stadtführerinnen vor der Tourist-Information auf dem Domplatz. Bei
der Premiere übernahm das Sybille Weber-Loevenich.
"Weibsleut" erlaubt
Danach tauchte Heinrich Buff
auf, der die "Burschen" aufforderte, ihm zu folgen, da er noch
Ehemänner für seine Töchter suche. "Naja, die Weibsleut könne aach
mitkomme", gestand er zu.
Nächster Schauplatz des Rundgangs
ist der Fischmarkt im Januar 1768, gespielt wird die Szene neben der
Domtreppe. Nun machten die Teilnehmer "erste Bekanntschaft" mit
Lotte, zu diesem Zeitpunkt 14 Jahre alt (Carolin Kling), Mutter
Magdalena Buff (Claudia Bäulke) und Lottes hochnäsiger Schwester
Karoline (Antje Reinhardt).
Heinrich Buff ist ihnen auf den
Markt hinterher geeilt, denn ihm wurde ein Brief an seine Gattin
überbracht, der ihn schwer beunruhigt. In dem Brief bittet Johann
Christian Kestner, ein braver junger Mann, um die Hand von
Charlotte. Doch diese will noch etwas warten, verspricht sich
Kestner aber.
Mitten in die Szenerie platzt dann die
Großtante Goethes, die Hofrätin Lange (Ilse Hasselbach-Hechler),
welche mit ihrer gestellten Art wirkt wie eine Persiflage auf die
feinen Damen jener Zeit.
Sie geleitet das Publikum zum
Deutschordenshof, jenem Platz der heute als Lottehof bekannt ist,
Charlotte Buffs Zuhause. Dort spielen sich jene Szenen ab, in denen
die 19-jährige Lotte (Anne Uebach) ihren Geschwistern die Mutter
ersetzt und sich um den heimischen Hof kümmert. Lotte teilt gerade
das Brot, als Goethe erscheint, der sie und Karoline (Claudia
Ellendt) zu einem Geburtstagsball nach Volpertshausen abholen will.
Kein Ehrenmann
Und Johann Wolfgang Goethe (Sebastian
Groh) präsentiert sich während der "Erlebnis STATT Führung" so gar
nicht als Ehrenmann: Er ist ein kindischer Schurke, der von Regeln
und festen Bindungen nichts wissen will. Ganz so, wie es die
Sekundärliteratur dem großen Dichterfürsten auch heute noch
nachsagt.
Es kommt wie es kommen muss, Goethe verliebt sich
in Lotte, umgarnt sie ein ganzes Jahr, doch sie hält an ihrem
Versprechen Kestner gegenüber fest. Goethe verlässt schließlich über
Nacht Wetzlar, ganz so wie der Literaturfreund es aus "Die Leiden
des jungen Werther" kennt. Ein Jahr später erscheint der Briefroman.
Für Lacher bei den Teilnehmern in Wetzlar sorgte die
Darstellung der spröden Art von Christian Kestner durch Matthias
Spahn.
Ihren Abschluss fand die "Erlebnis STATT Führung" im
Palais Papius in der Kornblumengasse. Oliver Meyer-Ellendt, Autor
und Regisseur des bewegten Theaters, ist es gelungen, bekannten
Stoff neu aufleben zu lassen. Dabei wird deutlich, welche Fakten aus
dem "Werther" der Realität entsprechen und welche frei erfunden
sind.
Wortwitz und kleine Gags fehlen ebensowenig wie
geschichtlich genaue Recherche. Die Darsteller bringen allesamt eine
herausragende Leistung, zumeist sind Laiendarsteller am Werke. Gut
ausgeklügelt ist auch der zeitliche Ablauf.
Am
Premierenabend nahmen insgesamt rund 250 Gäste an den Führungen
teil. Die Veranstaltungen waren ausverkauft.
Weitere Führungen sind für heute (Sonntag), für den 27., 28., 29.
und 31. August sowie für den 1. September vorgesehen. Die jeweils
fünf Führungen starten um im Halbstundentakt an der
Tourist-Information (Domplatz 8). Wochentags und samstags beginnen
die ersten Führungen um 19 Uhr, am Sonntag um 17 Uhr. Die Teilnahme
kostet zehn Euro, ermäßigt fünf Euro. Informationen bei der
Tourist-Information, (0 64 41) 9 93 38.
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